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Funde
aus der Mittelsteinzeit, Jungsteinzeit und die Hügelgräber aus der älteren
Bronzezeit in Erle zeugen davon, dass schon seit Tausenden von Jahren auf
Erler Gebiet eine Vielzahl von verschiedenen Kulturen siedelten. Die
Übergänge der verschiedenen Epochen waren fließend. Im Frühmittelalter
lebten hier Franken, wie die Funde des Gräberfeldes in der Westrich
beweisen. Im 7. Jahrhundert eroberten Sachsen diese Gegend. Sie siedelten
sich in kleinen Streusiedlungen an. Das eigentliche Dorf entstand später um
die Kirche herum. Die erste gesicherte Erwähnung Erles als „ Erlore“ findet
sich im Urbar ( Heberegister) des Klosters Werden aus der Mitte des 12.
Jahrhunderts. Das Kloster verfügte demnach in Erle über Grundbesitz. Einikin
in Erlore gab 7 Scheffel Rogge an den Fronhof von Rüste des Klosters. Die
Siedlung Erle ist jedoch viel älter als die erste schriftliche Erwähnung.
Darauf weist der Name hin. Erlore kann von der Grundform „ –lar“ abgeleitet
werden. Die „ –lar“ Namen gehören zur ältesten Schicht der Ortsnamen im
Münsterland. Möglich ist auch die Ableitung von dem Grundwort „ – lo“, was
als Gehölz oder Waldlichtung durch Rodung gedeutet wird.
Die
Namen „ de Erlo“, „ de Erler und “ „ van Erler“ für eine Adelsfamilie
tauchen in verschiedenen Urkunden des 13. Jahrhunderts im Münsterand als
Zeugenunterschriften auf. Einige Heimatforscher nehmen an, dass dieser Name
auf Erle hinweist und eine Adelsfamilie „van Erler“ hier im Besitz des Erler
Schultenhofes war. (Bild: Grabfund aus der Merowinger-Zeit)
Der Schultenhof
In
Erle gab es seit dem Hochmittelalter einen Schultenhof, der von einem
Schulten für einen auswärtigen Grundbesitzer verwaltet wurde. 1372 wurde
dieser als "Schulte to Erler „ erwähnt. Der Hof stand vermutlich im Westen
des heutigen Dorfes nördlich des Pastorat. Der Eigentümer des Schultenhofes
ließ vermutlich auch die erste Kirche in Erle errichten. Erst 1313 wird die
Pfarrei „Herlere“ – Erle urkundlich erwähnt. Der Grundherr des Schultenhofes
war Kirchenpatron und Erbholzrichter in der Erler Mark. Er setzte den
Pfarrer ein, belehnte ihn mit dem Wedemhof ( Pfarrhof). Der Schultenhof
wechselte vom 13. bis zum 17. Jahrhundert durch Verkauf , Verpfändung,
Vererbung oder Heirat häufig den Besitzer. 1645 erwarb ihn der Freiherr von
Westerholt, Herr zu Lembeck. Später löste sich der Hof allmählich auf. Das
Land wurde stückweise an Bauern verpachtet. Ab 1805 wurde der Grundbesitz in
Teilen verkauft. Außer dem Eigentümer des Schultenhofes hatten auch andere
adelige und geistige Herren Grundbesitz in Erle, so die Häuser Raesfeld und
Gemen, der Herzog von Kleve und das Viktorstift in Xanten. Die hörigen Erler
Bauern waren ihren Grundherren zins- und abgabepflichtig und mussten zum
Teil auch Hand- und Spanndienste leisten.
Erle in der Herrlichkeit
Lembeck
Den Herren von Lembeck gelang es im
15. Jahrhundert durch Erwerb der Gogerichtsbarkeit einen eigenen
Gerichtsbezirk im Amt Ahaus aufzubauen, in dass das Amt auf dem Brahm
aufgegangen war. So entstand die Herrlichkeit Lembeck, die durch die
Richter des Lembecker Grafen verwaltet wurde. Zu ihr gehörten die
Kirchspiele Erle, Holsterhausen, Rhade, Wulfen, Lembeck, Hervest und
Altschermbeck. In Erle war außerdem im Mittelalter ein Freistuhl, eine
Gerichtsstätte der Femegerichtsbarkeit.
Zur Zeit der Reformation hatte Erle ab
1566 protestantische bzw. calvinistische Pfarrer. Ab 1622 kehrte Erle zum
Katholizismus zurück. Als ab 1803 das Fürstbistum Münster aufgelöst wurde,
fand auch die Herrlichkeit Lembeck als Gerichtsbezirk ihr Ende.
Vorübergehend gehörte das Gebiet der Herrlichkeit Lembeck in der Zeit der
napoleonischen Herrschaft über Europa bis 1810 zum neu gebildeten Fürstentum
Salm – Salm, danach bis 1811/14 zu Frankreich selbst. Erle wurde in dieser
Zeit zusammen mit Altschermbeck, Holsterhausen und Rhade der Mairie (
Bürgermeisterei) Altschermbeck zugeordnet. Nach der Befreiung von
napoleonischer Herrschaft kam Westfalen zum Königreich Preußen. Die
ehemalige Herrlichkeit Lembeck wurde 1816 in den neu geschaffenen Kreis
Recklinghausen eingegliedert.
Die politische Gemeinde Erle
Mit
Einführung der Landgemeindeordnung von 1841 wurde die bis dahin bestehenden
Bürgermeistereien Altschermbeck und Wulfen zu Ämtern erklärt. Die einzelnen
Gemeinden wurden politisch selbstständig und erhielten Bürgermeister und
Gemeindevertreter. Im Jahre 1929 wurden die Ämter zum Amt Hervest-Dorsten
zusammengeschlossen.
Beim Bombenangriff wurde am 23. März
1945 die Kirche und der Ortskern beschädigt. Mehrere Menschen kamen zu Tode.
Im
Rahmen der kommunalen Neugliederung in NRW vom 9. Juli 1974 wurden die
Gemeinden Erle, Raesfeld, Homer und das nördliche Overbeck zur neuen
Gemeinde Raesfeld zusammengeschlossen. Erle kam damit zum Kreis Borken und
verlor seine Selbstständigkeit als politische Gemeinde. Von 1965 bis 1983
befand sich in der Nähe des Dorfes eine Raketenstation der Nato mit bis zu
27 Nike-Luftabwehrraketen. Zeitweilig lagerten hier sogar 18
Atomsprengkörper. Niederländische, amerikanische und belgische Soldaten
taten in Erle ihren Dienst. Als sie mit den Raketen abgezogen waren, diente
die Kaserne in den 1990er Jahren friedlichen Zwecken, der Zwischenaufnahme
von deutschstämmigen Aussiedlern aus der Sowjetunion und Polen, später auch
Asylbewerbern.
Erle heute
Erle erlebte nach dem
Krieg ein rasantes Bevölkerungswachstum. Das nahe Ruhrgebiet mit seinen
Arbeitsmöglichkeiten, die gute Verkehrsanbindung sowie die hohe Wohnqualität
veranlassten viele Menschen in das dörfliche Erle zu ziehen. So entstanden
eine Reihe von Neubaugebieten mit schmucken Einfamilienhäusern. Hatte Erle
1950 noch 1211 Einwohner, so ist deren Zahl im Jahre 2007 auf über 3800
gestiegen. Trotz dieser rasanten Veränderung der Bevölkerungsstruktur hat
Erle seinen dörfliche Charakter bewahrt. Deshalb und wegen seiner
touristischen Sehenswürdigkeiten ist Erle besonders an Wochenenden Ziel vieler
Tagesbesucher. Hauptattraktion ist natürlich die Femeiche. Auch ziehen
Bauernmarkt, Adventsmarkt, ein Spezialitätenfest, der alle vier Jahre
stattfindende Erntedankumzug, die Kornbrennerei sowie Direktvermarktung und
touristische Angebote Besucher an. Der Heimatverein hat begonnen, an
geschichtsträchtigen Stellen bzw. Denkmälern in Erle Informationstafeln
aufzustellen und 2006 im Heimathaus ein Heimatmuseum eröffnet. Nicht zuletzt
durch die vielfältigen Möglichkeiten, rund um Erle zu Fuß oder mit dem Rad
Natur zu erleben, ist Erle das Ziel von Besuchern aus Nah und Fern.
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